Sightseeing

Wald, Wald, Storche ( & Bisons)

BIALOWIEZA

Nachdem wir Vilnius fluchtartig verlassen hatten, betreten wir nun das schöne Gebiet rund um den berühmten Nationalpark Bialowieza. Berühmt deshalb, weil es hier den einzig verbliebenen von Menschen gänzlich unberührten Rest Urwalds in Europa gibt. Leider liegt der weit größere Teil davon in Belarus, aufgrund der Oppression durch Lukaschenko und der damit einhergehenden dichten Grenzen also unerreichbar für uns ( und alle anderen).

Kleine Deadmanfingers in Moos und Klee ☘️🍄🌱

Das Dorf Bialowieza selbst hat mir total gut gefallen; übersichtlich, friedlich, mit niedlichen Holzhäusern und vor allem hübschen Campingplätzen inmitten all der Storchis in Nestern oder auf dem Feld staksend! Zwischen tragenden Beerensträuchern und Sauerkirschbäumchen zu stehen hat mir auch getaugt 😛

Natürlich haben wir an einer Tour durch den Nationalpark teil genommen, bestehend aus einem sportlichen 4h Spaziergang mit Joanna, unserer Guide. Wie auch all die anderen über 200 Guides* dort ist sie Biologin und konnte wirklich zu jedem Pilz, jedem toten oder lebenden Baum und auch zu verschiedenen Tierspuren nicht nur etwas, sondern ganz viel erzählen. Das war schon sehr interessant und sie als Person auch wirklich mit Leidenschaft dabei. Fakt ist allerdings auch, dass dieser Urwald am Ende des Tages eben doch auch „nur“ ziemlicher alter europäischer Wald mit hauptsächlich ( relativ großen) Eichen und Buchen ist. Ich muss gestehen, dass mir da auf den ersten Blick keine großen Unterschiede zu einem herkömmlichen Wald aufgefallen wären, zumindest ohne die Erläuterungen und ohne hinauf in die Wipfel zu schauen!

Im Bialowieza Wald gibt es zwar auch Tiere wie vor allem Bisons, Wölfe und Luchse, man muss allerdings schon wirklich Glück haben einen Blick auf diese erhaschen zu können. Bei einer der early-morning-tours ist die Wahrscheinlichkeit dann wohl etwas höher. Der Bison ist aber unverkennbar das Wahrzeichen von Bialowieza, überall wird ihm gehuldigt, es gibt eine Bisonfarm und sogar eine örtliche Brauerei mit Bisonwappen. Chris hat deren Bier hier frisch für Euch getestet:

Wir haben aber nicht nur den berühmten Urwald besichtigt, sondern haben uns mit komoot auch eine schöne Tour rausgesucht und uns auf die Räder geschwungen um das umliegende Naturschutzgebiet auf diesem Wege noch ein bisschen zu erkunden. Bin sehr froh die Räder auf unserer Reise dabei zu haben, wir haben sie bisher bei fast jedem unserer Stopps entweder für Besorgungen, Stadterkundungen oder für sportliche Touren genutzt.

Am zweiten Tag haben wir auch eine Kajaktour, bei einem unendlich chilligen Kajakverleih startend, unternommen. Die Tour kam inmitten des Naturschutzgebiets und mit den schönen Seerosen etc so romantisch daher, entpuppte sich dann aber ganz schnell als fieser Hinterhalt aller Bremsen die Bialowieza zu bieten hatte!! Funktionierender Artenschutz, ough so nervig. Bewirkt hat die Hetzjagd auf uns, dass wir genötigt waren richtig schnell zu paddeln 😀 Ca 30 Bremsen mussten dann aber doch weggeklatscht werden, is wies is.

Fazit von Bialowieza: Schönes Naturschutzgebiet, extra nur für den Nationalpark dort hin fahren würde ich persönlich nicht unbedingt, bei einer Durchreise von Polen sollte das aber auf jeden Fall eingeplant werden! ( hallo es gibt dort überall Bebistorchis und Bisons)

AUSCHWITZ-BIRKENAU

Damit komme ich nun aber zu einem sehr düsteren Punkt unserer Polendurchquerung, der meiner Meinung nach aber auf jeden Fall zum Pflichtprogramm dazu gehört… Zumindest dann, wenn man noch nie vorher eine Gedenkstätte des Holocausts besucht hat, was zumindest auf mich zutraf. Ich war davor auch leicht nervös, denn es ist klar dass ein Besuch in Auschwitz- Birkenau in jedem Fall belastend wird. Ich habe während des 3,5 stündigen Rundgangs durch Auschwitz 1 und Auschwitz 2 mehrmals darüber nachgedacht, ob wir das als Nachfahren der Täter mit einem anderen Blickwinkel des Grauens und der Demut erleben als Menschen anderer Nationalitäten. Ich vermute schon. Jedenfalls ging es mir sehr nahe und der Anblick der abertausenden auf gigantischen Bergen gesammelten und ausgestellten Originalgegenstände hinter den Glasfronten der hauptsächlich Jüdinnen und Juden und der Modellnachbau der Gaskammern und Krematorien war nur sehr schwer zu ertragen.

Natürlich hab ich das meiste geschichtliche gewusst, aber manche verstörende Details waren dennoch neu für mich. Mir war nicht klar, dass das KL Auschwitz 1 ( also das im Allgemeinen bekannteste KL) wie auf obiger Karte gut sichtbar verhältnismäßig klein war. Und das schlimme dabei ist, dass man aber nicht das Gefühl hat wenn man dort von Block zu Block läuft. Es wirkt eher sehr weitläufig und groß. Dann sieht man dass Auschwitz 2- Birkenau in der Nähe ungefähr 20mal so groß ist. Und man realisiert, dass das gemeinhin bekannte Auschwitz 1 ein Konzentrationslager war, Birkenau jedoch ein reines Vernichtungslager.

In beiden KL wurden zwischen 1941 und 1944 1,5 Millionen Menschen ermordet, hauptsächlich Jüdinnen und Juden aus diesen Teilen Europas. Man erkennt weshalb die Nazis den Ort Oświęcim gewählt haben.

Noch während wir an den Ruinen der Gaskammern und Krematorien Birkenaus vorbeilaufen erreicht uns die Nachricht, dass die Auschwitzüberlebende Esther Bejarano heute mit 96 Jahren gestorben ist und ich glaube trauriger wird es auf unserer Reise nicht mehr.

Weiter führt uns unsere Reise in die Slowakei

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